Stories

28. Juli 2016
So, auf geht`s… so steht es auf jeden Fall in meinem Kalender. Wirklich wahrnehmen kann ich meinen Start ans andere Ende der Welt allerdings noch nicht. Jetzt warte ich schon seit einem guten halben Jahr dass es endlich los geht und fühle mich doch recht unbeeindruckt.
Die letzten Tage und Wochen waren ziemlich anstrengend und hat mich in eine Art «Trance-Zustand» versetzt. Mein einziger Wunsch ist nun endlich mal keine Pläne im Kopf zu haben um 1.000 Sachen zu organisieren. Leider lief gegen Ende mal wieder alles NICHT nach Plan (wie sollte es auch anders sein) und ich konnte viele Dinge, die ich mir vorgenommen habe nicht mehr machen – leider eben auch nicht mehr alle Leute sehen oder musste Verabredungen absagen (Sorry Olga & Johann, ich wäre so gerne noch nach Stuttgart gekommen). An dieser Stelle möchte ich mich auch nochmals bei allen Freunden, Bekannten, Arbeitskollegen und meiner Familie bedanken, die sich so herzlich von mir verabschiedet haben. Nie im Leben hätte ich gedacht, dass ich so viele tolle Menschen um mich herum habe – leider merkt man das dann doch immer erst wenn man sich verabschieden muss…

8.05 Uhr / 29. Juli 2016 in Dubai
– den ersten Flug hab ich hinter mir.
Aufregung? Nö! Ich bin nur ziemlich erledigt von den letzten Wochen, dass ich unglaublich froh bin mal etwas Zeit zu haben. Nach den ersten 7 Stunden Flug laufe ich erstmal den Airport hoch und runter um mir die Beine zu vertreten. Trotz unübersehbarer Änderung meiner Umgebung (Arabische Kultur), merke ich noch nichts von Aufregung oder Unsicherheit. Vielleicht fehlt meinem Körper auch gerade nur die Kraft um sich umzuschauen. Andererseits ist Reisen ja auch nicht aussergewöhnliches für mich, nur die Dauer ist mir wohl noch nicht so ganz bewusst. Ich nehme meine mangelnde Reaktion einfach mal so an und reise weiter :o)
Gleich geht es zum nächsten Flug nach Singapur und dann nach Darwin.

6.00 Uhr in Darwin – musste zu meinem Erschrecken feststellen, dass ich gar nicht wusste dass auch der Mond anders herum erscheint… (hätte ich das wissen sollen). Auf jeden Fall war das ein echt toller Anblick aus dem Flugzeug, genauso wie die Sternschnuppe, die diesen Flug zur finalen Destination so besonders gemacht haben. Das erste Mal in Australien – endlich das erste neue Erlebnis (den Airport Dubai und Singapur kenne ich ja schon). Darin bei Nacht scheint mal ganz nett aber erst nach Tagesanbruch wird mir klar, dass hier wirklich alles anders ist! Um mir die Zeit bis zur Zimmerübergabe etwas zu vertreiben laufe ich durch die Stadt. Eine Strasse weiter ist auch schon das Meer und (halleluja) sogar ein riesiger Park mit einer Laufstecke!! Juhuu! Und die ist sogar um 7.30 Uhr morgens richtig gut besucht. Joggen scheint wohl ein beliebtes Hobby der Aussis zu sein – die ersten Pluspunkte rollen – die Sache läuft! Trotz Müdigkeit (in Deutschland ist es so langsam auch schon Abend/Nacht) laufe ich die nächsten Stunden durch Darwin City und bin mehr als positiv beeindruckt. In den ersten Stunden sehe ich so viele neue Dinge, Tiere und Flora, dass ich ganz gespannt bin wie es wohl weiter geht. An Ausflügen und Programm gibt es hier mehr als genug – der Preis ist allerdings auch nicht schlecht. Erstmal vortasten und überlegen. Zum Glück hab ich ja genug Zeit dabei… :o)

16. August 2016
Genau 2 Wochen und 3 Tage… Es kommt mir vor wie 2 Monate und 3 Wochen… :o)
Nachdem ich die erste Woche damit verbracht habe mich mit anderen Backpackern in den Hostels zu unterhalten und alle brauchbaren Informationen nur so in mich aufgesaugt habe, wurde es mir recht schnell langweilig (wer mich kennt weiss wie schnell das geht ;o). Darwin hat ein kleines Stadtzentrum, zieht sich jedoch recht weit nach aussen mit etlichen Industriegebieten die hauptsächlich Handwerkerherzen zum schlagen bringen. Ein richtiges Männer-Land!
Als Backpacker ist man hier zu Fuss recht eingeschränkt. Die ersten Tage habe ich meistens an der Waterfront und im Park verbracht. Morgens joggen, mittags Sonne und abends geht hier ganz schön die Post ab. Der Altersdurchschnitt in den Hostel liegt so zwischen 20 und 25. Auch wenn ich mich als Jung geblieben bezeichnen würde, ist das auf Dauer nicht so wirklich mein Fall und kostet ausserdem recht viel Geld. Das erste Hostel war mir dann definitiv zu laut (ab 14.00 Uhr gibt´s Bierausschank…), weshalb ich in ein anderes Hostel, nur ein paar Meter die Strasse hoch, gewechselt bin. Generell alles ganz nett, aber irgendwas fehlt. Ein Auto muss her!! Das Backpacker Business in Australien ist recht gross und verbreitet. Auf etlichen Internetseiten, via Facebook oder Gumtree (Australisches Ebay) kann man quasi alles gebraucht erhalten was andere nach ihrem Aufenthalt los werden müssen. Relativ schnell (nach nicht mal 1 Woche in Australien) hab ich mir dann meinen Mitsubishi Challenger gekauft. Was für ein geiles Ding!! Und gegen die meisten Autos hier nicht mal einer der grossen. Echt wahnsinnig was die Australier hier für Monster-Karren fahren! Generell braucht man hier für alles etwas länger, da die Distanzen hier um einiges riesiger sind als bei uns. Vor dem Autokauf hatte ich allerdings schon eine geführte 2-Tages Tour in den Kakadu Nationalpark gebucht, was ich zu dem Zeitpunkt zwar bereut hatte (mit meinem Auto wäre ich auch alleine und vor allem günstiger dorthin gekommen), sich aber am Ende dann doch als goldrichtig herausgestellt hat.
Gleich am Morgen wurde ich abgeholt und durfte sofort in die Fahrerkabine hocken da der Truck schon voll war. Somit hatte ich die ganze Fahrt einen persönlichen Guide neben mir, den ich alles direkt fragen konnte. Wieder ein PLUS wenn man alleine reist (vor allem als Mädel ;o).
Die Tour und der Park sind sensationell – genau das was ich erhofft habe. Eine unglaublich tolle Landschaft mit vielen atemberaubenden Aussichten und Spots wie der Jim Jim Waterfall oder die Twin-Falls. In der Dry-Season kann man viele Orte erreichen die in der Wet-Season wegen dem vielen Wasser nicht begehbar sind. Übernachtet wird in Zelten und alle packen mit an – genau so wie ich es mag :o)
Das Beste an der ganzen Sache jedoch ist, dass ich mich mit Daniel (dem Tour-Guide) super angefreundet habe und er mir nach Ende der Tour angeboten hat, ein freies Zimmer in seiner WG zu beziehen. Seither wohne ich etwas ausserhalb Darwins, mitten unter waschechten Bilderbuch-Australier, die alle Tour Guides sind oder für das Unternehmen arbeiten. Alles super Leute die mich unterstützen und herzlich aufgenommen haben. Mein Ausstieg aus der Backpacker-Szene und Einzug in das australische Leben ging also genau eine knappe Woche :o)
Seither habe ich die Touren in die Nationalparks der Umgeben schon 4 Mal gratis mitbegleiten dürfen, kann umsonst übernachten und essen und helft bei den Touren mit indem ich die Touristen einweise, das Essen vorbereite und mithelfe die Zelt auf- und abzubauen. Und das Beste ist – ich sehe jedes Mal etwas Neues von der traumhaften Umgebung. Ich kann nur zu mir selber sagen – hast mal wieder alles richtig gemacht Julia *dicker smily*
Bin gespannt wie es weiter geht…

Bye bye Darwin!
Nach ungefähr 4 Wochen ging es nun endlich weiter. Die Saison in Darwin geht langsam dem Ende zu und somit auch die Dry-Season, welche sich schleichend in die Wet-Season kehrt. Nicht schwer Erkennbar an den zunehmenden Wolken und immer heisser werdenden Tagen. Schliesslich war es bisher Winter bei 28-35 Grad Tagestemperatur…!! Auch wenn der Litchfield und Kakadu Naional Park zwei unglaublich atemberaubende Orte sind, freue ich mich wieder etwas Neues zu sehen. Der Plan: einmal komplett durch den Kontinenten bis nach Adelaide. Wie jeder Backpacker reise ich aus Kostengründen nicht alleine, sondern schliesse mich Daniel (einem Tour-Guide) an, der ursprünglich aus Adelaide stammt und für die nächste Saison zurückkehrt. Für mich ist es ein genialer Vorteil einen lebenden Reiseführer dabei zu haben und muss somit nicht darüber nachdenken wo ich für die besten Sehenswürdigkeiten halten soll. In der letzten Woche in Darwin haben wir nochmals alles startklar gemacht und das Auto gecheckt – und los ging es in den Süden, der je weiter wir kommen immer kälter wird… Gestoppt und übernachtet haben wir in Pine Creek, über Katherine nach Mataranka (warme Quellen), Daly Waters, Alice Springs und schlussendlich am berühmten Uleru (Ayers Rock). Auf dieser Strecke gab es einiges zu sehen: die Edith Falls, Hot Springs, das bekannte Pub in Daly Waters, den Gosses-Bluff-Krater, den beeinduckenden Kings Canyon bis zum Uluru-Kata-Tjuta Nationalpark in der «Wüste», welche zu jetzigen Jahreszeit blüht und nicht wirklich den Merkmalen einer Wüste entspricht. Je weiter wir kommen desto mehr Veränderung ist zu sehen. Die Natur hier in Australien ist einfach phänomenal! Da wird es beim Autofahren ganz bestimmt nicht langweilig. Es gibt einfach immer etwas zu sehen. Wilde Pferde, welche die Strasse überqueren, einen Blauzungen-Leguan und eine Schlange mitten auf dem Weg und natürlich die atemberaubenden Sonnenauf- und untergänge. Noch bevor es dunkel wird bauen wir, mittlerweile eingespielt, unser Camp auf. Geschlafen wird in einem Swag, der warmhält und vor allem vor Moskito, nervenden Wüstenfliegen und sonstigen Tieren schützt. Mega praktisch so ein Ding – ist in Sekundenschnelle aufgebaut und total bequem. Von gefährlichen Schlangen, giftigen Insekten oder sonstigen Tod-Bringenden Tieren habe ich bisher nicht viel gesehen – wieder ein Vorteil seinen eigenen Guide zu haben der sich blendend auskennt. Der Mythos des Landes, das einem auf jeden Weg umbringen will, ist nicht viel zu geben als dass es einige giftige Pflanzen und Tiere gibt, welche sich allerdings gerne vor allem fernhalten UND dem Fakt, dass das Land einfach riesig ist, was Risiko solch ein Tier zu treffen verringert. Hier eine kleine Hymne über das harmlose Leben hier in Australien… ;o)

Eher sehe ich die Chance von einem der gigantischen «Road-Trains» überfahren zu werden, die in meinen Augen komplett überladen und mit 3-4 Anhänger einfach endlos lang sind. Wenn man hinter solch einem schwankenden Koloss herfährt, überlegt man sich schon 5 Mal ob man den wirklich überholen soll…!!
Für die nächsten 2 Tage werden wir am Uluru-Kata-Tjuta Nationalpark bleiben um die berühmten «Steinchen» zu besichtigen. JA, es ist nur ein Stein und JA er ist gigantisch und absolut magisch! Vom Campingplatz sehen wir direkt auf das Weltnaturerbe und die Kata-Tjunta Felsen. In 1-2 Tagen geht es weiter nach Coober Pedy zu den Opal Minen.

22.11.2016
Time flies! Schon seit über 2 Monaten bin ich hier in Adelaide hängen geblieben… Wahnsinn!
Auch wenn ich mich selbst noch als Backpacker bezeichne, fühle ich mich eigentlich richtig zuhause hier. Auch die Landschaft ist mir, bis auch einige Dinge, sehr vertraut. Ich würde die Adelaide Region als ein Mix aus Schwarzwald, Schweiz, Irland inkl. Papageien, Seelöwen, Meer, Pinguine, Kängurus und Koalas bezeichnen. Die Adelaide Hills sind traumhaft und mit dem Bike über die auslaufenden Hügel bis ans Meer zu radeln ist eines meiner Lieblingshobbies nach der Arbeit geworden. Wobei ich Arbeiten nicht als Arbeit bezeichnen würde. Auch hier habe ich es wirklich gut erwischt. Von 7am bis 2.30 pm fahre ich meinen kleinen «Lunch Truck» von Firma zu Firma und verkaufe alles was der fest schaffende Arbeiter hier braucht – von Sandwiches, belegte Baguettes, süsse Teile und natürlich die herzhaftes wie «traditionelle» Sausage-Rolls, div. Pies, Kranskys oder Pastys (alles super fettig und bis auf einmal Probieren nicht weiter zu empfehlen) ;o)
Es ist schon verblüffend wie gerne man arbeiten geht, wenn es nicht wirklich notwendig ist. Meine Motivationshintergründe sind eher die Leute kennen zu lernen (näher an der lokalen Arbeiterwelt kann man nicht sein) und meine Englischkenntnisse zu verbessern, was ich hier absolut umsetzten kann. Natürlich ist es ein Bonus noch etwas Taschengelt zu haben und nicht mein Erspartes völlig auszuschöpfen. Auch das ist eine weitere Erfahrung: Nach Wochen ohne Arbeit bin ich förmlich geplatzt vor Nervosität. Trotz gut erspartem Puffer ist es schon ein seltsames Gefühl ohne Einkommen zu sein oder vielleicht bin ich auch einfach nur typisch deutsch…!?
Auf jeden Fall tut es gut, sich seine Brötchen auf ganz andere Weise zu verdienen und auch mal wieder zu spüren, dass ein Arbeitstag auf den Beinen und in der Sonne recht erschöpfend sein kann – im Büro ist es da schon angenehmer. Nachdem ich die Sprachbarriere Englisch-Australisch überwunden habe, was nicht sehr einfach war da 80% meiner «Kundschaft» eingefleischte Australier vom z.T. älterem Semester sind, kann ich nun behaupten einen Grossteil der locals auch tatsächlich zu verstehen :o)
Es ist auch schön Menschen jeden Tag wieder zu sehen, die sich freuen wenn das Mädel mit dem deutschen Akzent vorbei schaut (und natürlich bring ich den hungrigen, schwer schaffenden Männern ihr Lunch vorbei). By the way: Ich glaube im Verkauf mache ich mich gar nicht so schlecht, wer hätte das gedacht…
Nach meinem Arbeitstag geh ich gerne an den Strand oder treffe mich mit Freunden um etwas zu unternehme – so vergeht eben die Zeit in einem australischen Alltag. Ich teile das Share House in dem ich momentan wohne mit 3 weiteren Australier in meinem Alter (plus zwei Katzen und zwei Hunde) was für mich einfach genial ist und vorteilhaft um die Sprache und Lebenskultur richtig zu erleben.

Woran man sich in Australien so gewöhnt:
Jetzt muss ich wirklich scharf nachdenken denn nach 4 Monaten ist einiges ganz normal geworden…
– Ganz wichtig: Burger King heisst hier «Hungry Jacks», nachdem dieser Lizenzname bereits an einen anderen Burger-Hersteller vergeben wurde. Logo und Frass sind allerding recht ähnlich zur europäischen Fastfood-Kette. Der Name passt auch viel besser zu der hier sehr ausgeprägten und stolzen Männerwelt.
– Alkohol ist masslos teuer und wird strikt überwacht – allerding gibt es hier an jeder Ecke einen «drive through» Bottle Shop an dem man Alkohol durch das Autofenster verkauft wird und auch hinter dem Steuer konsumiert werden darf… ist in meinen Augen gegensätzlich aber lustig ein Bier beim Fahren zu geniessen. Natürlich ist nur EIN Bier erlaubt.
– Links fahren. Für mich kein Problem mehr, da ich täglich bis zu 7 Stunden einen kleinen Truck auf der meist befahrensten Strasse in Adelaide lenke. Wenn ich in Filmen Autos auf der rechten Seite fahren sehe, zucke ich schon zusammen – oh Gott, der fährt falsch!
– Utes/Pickups mit Hunden hintern drauf. Fand ich sehr amüsant am Anfang und heute scheuch ich die Hunde meiner Mitbewohnerin regelmässig auf die Ladefläche. Unglaublich aber die lieben es Ihren Kopf rechts und links in den Wind zu hängen.
– Dog Cleaner! Scheint hier ein recht rentables Business zu sein. Die Mehrheit der Haushalte besitzt einen Hund. Für die Pflege gibt es hier einige mobile «Dog Wash» oder für das kleine Portmonee die Selbstwaschanlage direkt neben der Autowaschanlage…
– Städte- oder Strassennamen wie Wagga Wagga, Toowoomba, Wollongong, Balla Balla, Argadargada, Gin Gin oder Noarlunga… Wenn die nette Dame bei der Wettervorhersage die Karte anzeigt, muss ich mir das Lachen verkneifen.
– Am Stand mit dem Auto fahren! Mega Spass, allerding nur mit dem richtigen Auto zu empfehlen.
– Länderfahnen von fremden Länder öffentlich auszustellen ist strengstens verboten. Ich glaube es gibt ein paar Ausnahmen, wenn z.B. ein Italienisches Restaurant mit den italienischen Farben wirbt. Die Australier haben allgemein einen recht ausgeprägten Nationalstolz den man am besten nicht in Frage stellt.
– Menschen die NOCH NIE Schnee gesehen haben. Ja, es gibt sie hier in Massen!! Ich meine, dass viele hier das Land noch nie verlassen haben konnte ich mir gut vorstellen, schliesslich ist Australien auch riesig, aber dass so viele Menschen noch nie Schnee gesehen haben… Ich mein so richtig echten Schnee und nicht die Weihnachtsdekoration in den Malls (die natürlich masslos übertreiben). Es ist schon interessant, dass selbst für ein Land dass Weihnachten am Strand oder in der Wüste feiert, trotzdem alles mit Schnee dekoriert. Selbst in der Weihnachts-Werbung haben die Schauspieler dicke Jacken im Schnee an…
Ach ja, viele Australier glauben dass ich hier das erste mal das Meer sehe und es in Deutschland nie über 20 Grad warm sein kann.
– Kängurus die sich auf der Wiese sonnen oder am Baum hängende Koalas. War am Anfang ein STOP – Kamera raus, heute für mich eher wie ein Reh im Wald zu sehen.
– Auswärts essen. Die Australier lieben es auswärts zu essen und das am liebsten in einem Pub. Hier wird grundsätzlich zuerst an der Bar bestellt und bezahlt. Danach erhält man eine Nummer an seinen Tisch mitnimmt oder wählt einen Tisch aus der Ferne aus. Solch ein Lokal enthält meistens einen Dining Room der meistens aus einem riesigen Raum mit Teppich und schlichten Möbel besteht und einen Nebenraum mit einer Bar/Pub. Oftmals gibt es auch einen POKIES Raum (Spielautomaten).

Was ich sonst noch so die letzten Monate alles erlebt habe:

Hahndorf
Sobald ich meine Nationalität hier preisgegeben habe, ist fast immer die nächste Frage: Have you been to Hahndorf? Anfangs fand ich die Idee von einem deutschen Dorf in Australien echt doof aber schlussendlich muss ich sagen, dass es ein echt süsses Dörfchen mitten in den Adelaide Hills ist, welches in Gegensatz zu den langweiligen Einkaufsketten mal eine Abwechslung bietet. Auch wenn ich ABSOLUT KEINE Ähnlichkeit mit Deutschland feststellen konnte ist es mal ganz Lustig wieder Käsespätzle oder Bienenstrich auf der Speisekarte zu lesen. Ansonsten gibt es gerade in Adelaide recht viele deutsche Wurzeln und einige Strassen oder Städte tragen deutsche Namen (z.B. Gruenthal oder Blumberg).
Gorge Wildlife Park. Ein schöner Ausflug und hautnahes Erlebnis! Hier kann man Kängurus, Koalas und Wallabys füttern und streicheln und auch alle anderen einheimischen Tiere wie Dingos, Emus und Wüstenreptilien oder Meerschweinchen, schwarze Pandas oder japanische Affen…. Ähm, keine Ahnung warum man die dort findet…
Archery Park (Bogenschiessen auf australisches Wild in den Adelaide Hills).
Reiten: Meine Mitbewohnerin und Hauseigentümerin hat ausser den Hunden und Katzen noch zwei Pferde die nicht weit weg von uns in einem Stall untergebracht sind. Somit habe ich echt die Gelegenheit bei der Stallarbeit zu helfen oder auch selber zu reiten.

 

April 2017!!
Und wieder ist die Zeit verflogen… seit dem letzten Eintrag hatte ich Besuch aus Deutschland, Weihnachten am Strand, einen Trip nach Kangaroo Island, Silvester in Sydney, Farmwork in Mildura und bin nun in Perth gelandet. Leider musste ich meine Pläne einige Male ändern da ich seit Anfang dieses Jahres an einem Karpal Tunnel Syndrom an beiden Handgelenken leide und meine Prio 1 daher war mich zu schonen; d.h. keine Arbeiten mit den Händen, kein schreiben am PC, wenig Handy…etc.
Auch das ist eine Erfahrung für sich – nicht alles läuft nach Plan und das kann dann ziemlich frustrierend sein.

Die letzten Monate:
Nach so ziemlich einem halben Jahr war es wirklich mal wieder schön Familie zu sehen.
Zusammen sind wir nach Kangaroo Island, welches die drittgrösste Insel Australiens ist und südlich von Adelaide liegt. Wie erwartet gibt es dort nicht nur viele Kängurus, sondern auch Koalas, Pelikane, Seerobben und natürlich viele tolle Sehenswürdigkeiten wie die Remarkable Rocks, der Wildlife Park und das kleine Honig Museum. Die Insel ist auf jeden Fall eine Reise wert, auch wenn die Kosten für die Fähre einfach überirdisch sind…
Sylvester in Sydney: Zusammen mit 4 Backpacker aus Adelaide habe ich mich mit meinem Auto (Charlie the Challanger) auf die Reise über die Grampian Moutains, Great Ocean Road und Melbourne nach Sydney gemacht. Das erste Highlight, die Grampians, war unerwartet Atemberaubend! Auf dem höchsten Punkt des Nationalparks ist die endlose Weite der Eukalyptusbäume einfach fesselnd. Neben vielen Wasserfällen und herumlaufenden Emus ist die Hauptattraktion «the Balconies», auf welchen man sich in schwindelerregender Höhe auf einem Felsvorsprung fotografieren lassen kann.
Übernachtet haben wir natürlich ganz «Backpacker like» im Zelt – für mich wieder eine neue Erfahrung. Seitdem ich in Australien bin, habe ich eigentlich immer nur mit Leuten in meinem Alter und entweder in Swags oder meinem eigenen Zimmer gelebt. Auch das Reisen mit anderen Backpacker die in der Regel einiges jünger sind als ich (OMG ich komme mir jetzt so langsam doch alt vor), war ein ganz neues Erlebnis. Ich habe den Altersunterschied noch nie so wahrgenommen und mich tatsächlich dabei erwischt, mich für mein Alter zu rechtfertigen und zu behaupten, dass ich mit 30 auch noch ganz verrückt sein kann… Um ehrlich zu sein, bin ich ganz froh nicht mehr die Probleme eines 18-jährigen Mädels zu haben. Die Reise mit den Teenies war auf jeden Fall sehr bewusstseinserweiternd und ich denke, ich habe mein Wissen über die neusten Medien und aktuelle Trendmusik erweitern können ;o)

Sydney: während man die «Hochhäuser» in Adelaide an einer Hand abzählen kann und ich den Rest meiner Reise im Outback mit kaum einem Ort das grösser ist als ein winziges Dorf verbracht hab, fühlte ich mich im Stadtzentrum Sydneys wie eine kleine Ameise. Beeindruckend ist die Häuserfront vom Tower Eye zu sehen. Weit und breit nur Beton. Ich komme wir vor wie ein Landmädchen in der Grossstadt. Es ist schon toll wieder am bunten und rasanten Leben teilzuhaben doch irgendwie fühl ich mich etwas fehl am Platz. In meinem Rucksack war leider kein Platz für ein City Dress, geschweige denn für schnieke Schuhe und fühle mich mit meinen Flip Flops oder Sneakers wirklich wie ein Country Gils oder eben wie ein richtiger Backpacker ;o)
Daher musste ich für den Silvesterabend erstmal einkaufen gehen… H&M macht’s möglich, auf für Backpacker und natürlich eine super spendable Momi (DANEEEEEE! :o*).
Während tausend Menschen den letzten Tag im Jahr 2016 damit verbracht haben stundenlang in der Hitze sich einen Platz zu sichern um das Feuerwerk über der Harbour Bridge zu sehen, konnten wir das Spektakel ohne Gedränge direkt von der Terrasse des bekannten Opernhaus erleben – WOW! Einfach sensationell! Eines der gigantischsten Feuerwerke der Welt und dazu noch eines der ersten Länder, die 2017 begrüssen durften (nach Samoa, Fidschi, Neuseeland und anderen Inseln im Zentralpazifik).

Ein neues Jahr und für mich fast 6 Monate hier in Australien. Ich sollte mir nun Gedanken machen wohin es geht. Die Zeit die ich mir gegeben hab um mich einfach fallen zu lassen ist nun rum und ich muss mich entscheiden was ich tun möchte. Mein Plan ist es, die Voraussetzungen für das Erweiterte Jahr Work and Travel zu erfüllen und mich für das second year visa zu bewerben. Dafür muss ich 3 Monate Farmarbeit vorweisen, welche ich in bestimmten Regionen mit vorgeschriebenen Tätigkeiten machen kann. Ich bin mir zwar nicht sicher ob ich ein zweites Jahr hier bleiben möchte aber irgendwie möchte ich mir die Möglichkeit nicht verbummeln. Ausserdem ist das Australische Gouvernement gerade am Überlegen das Work and Travel Visa auf 35 Jahre zu erweitern – für mich wäre das eine Möglichkeit auch später nochmals für 1 Jahr einzureisen, selbst wenn ich das 2. Jahr nicht gleich anhängen möchte. Ausserdem wäre es wieder an der Zeit etwas Geld zu verdienen, warum nicht beides verbinden… dachte ich mich so, und bin nach Mildura gereist – ein ländliches Gebiet zwischen Sydney und Adelaide, welches für den Anbau von Weintrauben und reichlich Obst und Gemüse Felder bekannt ist.
Allerdings habe ich nicht DAMIT gerechnet:
Seit einiger Zeit ist mir beim Fahrradfahren und selbst in der Nacht die Hand/Arm eingeschlafen. Anfangs habe ich mir nicht viel dabei gedacht, bis ich eines Nachts mit unbeschreiblichen Schmerzen und Taubheitsgefühl im rechten Arm aufgewacht bin. Selbst in der linken Hand fing die Gefühlslosigkeit an und somit war ein Arztbesuch unumgänglich. Nur mit Schmerzmittel, Ruhestellung und schlussendlich einer Kortison Spritze wurde das ganze etwas besser. In dieser Zeit kam ich mir recht hilflos vor, nichts tun in einer der heissesten Region in Südaustralien, hoffen auf Besserung und meine Zeit bis zum Ende des ersten Visa-Jahres einfach verstreichen lassen – Ommmmm, Geduld war noch nie meine Stärke.
Ganze 3 Tage konnte ich nach 3 Wochen Ruhestellung auf dem Feld arbeiten um mir dann einzugestehen, dass es unmöglich ist die Farmwork zu vollenden, was vor allem auch meiner Gesundheit schaden würde. Gemäss Arzt ist eine OP (welche nur ein kleiner Eingriff wäre, allerding mich für 6 Wochen ruhigstellt) unumgänglich – ich möchte es allerding doch erstmal ohne versuchen.
Die Tage in Mildura konnte ich mit Angeln und Yabbi Fallen (Flusskrebse) aufstellen verbringen, was natürlich auch ein tolles Erlebnis war. Die Muray-River Gegend ist eine ganz andere Seite Australiens, in welcher die Menschen es geniessen nach der Arbeit mit dem Motorboot Wasserski oder Jetsky auf dem braunen Fluss zu fahren.
Doch etwas enttäuscht bin ich wieder nach Adelaide zurückgefahren, wo ich mich bei meiner alten WG (Moniques Sharing House) erstmal erholen konnte. Wenn man alleine reist, schätzt man es in solchen Situationen wie gut es tut Freunde zu haben die einem aufbauen.

Der neue Plan:
Aus irgendeinem Grund zieht es mich immer wieder nach Adelaide aber nun ist es an der Zeit etwas Neues zu sehen. Ich entscheide mich wieder mit Backpacker zu reisen, diesmal in die andere Richtung – die Westküste. Auf meine Backpacker-Anzeige melden sich 3 deutsche Mädels, eine Französin und 2 Briten, die Ihr eigenes Auto haben und Begleitung für die lange Strecke suchen.
Wir starten unsere Reise (über 3000 km) zu den Flinders Ranges, wo ich zwar schon einmal war, jedoch an einem anderen Ort. Vor dort aus geht wieder richtung Süden nach Port Lincoln (leider mit nicht so gutem Wetter), danach weiter Westen nach Ceduna und durch die Nullabor-Wüste, der baumlosen und flachen Ebene (das grösste Stück Kalkstein der Welt), mit dem Eyre Highway der mit 146,6km die längste völlig gerade befestigte Strasse in Australien ist. Und wie sollte es anders sein – Charly gibt natürlich genau hier, ohne Funksignal und in brütender Hitze den Geist auf! In dem Moment wird einem bewusst warum man hier für solche Reisen genügend vorbereitet sein sollte. Genügend Wasser, Benzin, Motoröl etc. sind essentielle Begleiter! Es geht jedoch nicht lange und 3 wirklich nette Australier halten sofort an um uns zu helfen. Zum Glück ist das Auto nur überhitzt und wir müssen nur etwas warten um das kochende Kühlwasser abkühlen zu lassen. Auch das war eine Lehre, man sollte eben nur am frühen Morgen und abends reisen. Nach der Zwangspause und weiteren endlosen Stunden im Auto erreichen wir Esperance – einem der schönsten Orte die ich hier in Australien bisher gesehen habe. Weisse Strände, der Pink Lake und dem Cape Le Grand Nationalpark machen diese Region einfach unumgänglich für eine Reise in den Westen. Die Attraktion am Lucky Bay sind die absolut nicht scheuen Kängurus, welche sich am weissen Sandstrand Sonnen und sogar zur Abkühlung ins Meer hoppen. Die Fahrt über den Great Ocean Drive ist mit den unzähligen weissen Stränden, kristallblauen Wasser und gigantischen Wellen einfach traumhaft. Und wieder einmal beweisst es sich, dass Frühaufsteher einfach mehr sehen. Die ganze Reise über bin ich die erste Person die kurz nach dem Sonnenaufgang wach ist und die Gegend erkundet (manchmal auch joggend). Nur ein paar 100 Meter von unserem Campingplatz am Strand entdecke ich die Standdünen, welche wie die Sahara Wüste aussehen. Wie aus dem nichts erheben sich die riesigen weissen Sandhügel aus der Landschaft. Mit meinen Mädels komme ich nach dem Frühstück hierher zurück um die Sanddünen hoch zu klettern und wieder runter zu rollen – hab schon lange nicht mehr so gelacht und selbst noch nach Tagen konnten wir Sand überall in unseren Klamotten finden :o)

Weiter ging es über Kalgoorlie (eine Goldgräberstadt) nach Hyden wo wir uns in der brütenden Hitze und umgeben von hunderten, lästigen Fliegen den Wave Rock anschauen (für mich eher nicht die Mühe wert…). Von hier aus geht es zur letzten Übernachtung für diesen Trip, einem Campingplatz am See. In der klaren Nacht war es einfach gigantisch die Sterne am Himmel zu betrachten.
Last day! Margaret River! Endlich wieder Zivilisation – dachten wir ;o)
Die wunderschöne Landschaft am Margaret River mit Ihren Weinfeldern und Viehweiden hat sich für uns nach einer endlich mal wieder grossen zivilisierten Umgebung geklungen. Mit nicht einmal 15.000 Einwohner ist dies doch eher ein Country Town aber dafür ein wirklich schönes. Bei der Einfahrt in den Stadtkern mussten wir alle laut lachen – schwer zu glauben, dass hier weit und breit keine weitere «grosse» Stadt gibt, bis auf Perth, was 250km nördlich liegt.

Und hier bin ich nun! Perth! Ich hätte es nicht gedacht doch gleich von Anfang an habe ich mich in die Stadt verliebt! Für meinen Geschmack trifft Perth alle Voraussetzungen. Nicht zu gross, nicht zu klein, unzählige Parkanlagen, recht alternatives Publikum und viele sportliche und gesund lebende Menschen. Bleich von Anfang an habe ich wirklich tolle Leute getroffen und kann mich sportlich gesehen endlich wieder ausleben. Hier möchte ich erstmal bleiben und schauen wie es weiter geht.
Seit einigen Wochen lebe ich in einer neuen WG mit meiner Chilenin und 3 Italiener. Alle 4 studieren seit längeren hier und ich komme recht schnell mit vielen neuen Bekanntschaften in Kontakt.
Für Anfang April ist eine Reise nach Broome und zurück geplant.

 

Perth – Broome – Perth
7. April bis 18. April 2017

Endlich wieder „on the  road“! Ich merke erst jetzt wie ich das Nomadenleben vermisst habe!
Es liegen 5753 km vor uns – viel Zeit zum Nachdenken :o)

Der Hinweg nach Broome im Nordosten von Western Australia führ an der Küste entlang. Dieses Gebiet ist noch sehr wild (der wilde Westen) und kaum besiedelt. Es ist daher sehr wichtig für alles gewappnet zu sein.  Nachdem ich schon „ein paar“ Kilometer hier in Australien zurückgelegt habe, fühl ich mich fast schon wie ein Alter Hase beim Vorbereiten von genügend Trinkwasser, Benzin, Lebensmittel und Campingausrüstung für alle Wetterlagen.

Unser erster Stop ist bei den „Pinnacles“ im Nambung National Park.
Die bis zu 4m hohen Kalksteine die wie Spitzen aus dem gelben Boden herausragen sind die Hauptattraktion des Nationalparks. Entstanden durch Baumwurzeln die in den Kalkstein wuchsen und dort zu Fossilien versteinerten. Die Fahrt mit dem Auto durch die Kalksteine fühlt sich an wie eine Wanderung durch eine Armee von versteinerten Soldaten.
Mehr gibt es hier allerdings nicht zu sehen – wir machen uns also auf dem Weg weiter in den Norden. Je höher wir kommen, desto wärmer wird es. Besonders beeindrucken ist zu sehen wie sich stündlich die Umgebung ändert und Zug um Zug tropischer wird. Bäume werden zu Sträucher, zu Büschen oder sogar zu Bananenplantagen und der Boden wandelt sich immer mehr zum typischen australischen roten Wüstensand. Je weiter wir fahren desto kleiner werden die Städte oder besser gesagt Dörfer. Was auf dem GPS nach Zivilisation aussieht, entpuppt sich oft als 10 Häuser-Dorf! ABER: Egal wie klein die Community auch ist, erstaunlicherweise gibt es so gut wie immer 1 Parkanlage die 24/7 bewässert (inkl. Spielplatz), eine Tankstelle und (ganz wichtig) ein Visitor-/Infocenter. Ach ja, und hunderte von Schilder und Wegweiser die mehr verwirren als die richtige Richtung zeigen… typisch Australien eben ;o)

Eins unser wichtigsten Werkzeuge ist die Tankstellen-App, was die Fahrt eher zu einem Etappensprung von Tankstelle zu Tankstelle macht. Wenn man mal knapp 4 Stunden Auto fährt und immer noch keine Möglichkeit in Sicht ist zu tanken, wird einem dann schon anders.

Kalbarri Nationalpark – ein Muss für jeden West-Australien Besucher!
Einfach irre wie die Natur hier die Schluchten und Felsen geformt hat. Hauptattraktion ist das „Nature-Window“. Glücklicherweise haben wir es zum besten Zeitpunkt des Tages hierher geschafft – zum Sonnenuntergang. Die Sonnenröte lässt die orange-roten Steine noch mehr wie Flammen erscheinen! Im dunklen geht es (wie so oft) weiter und auf die Suche nach einer Möglichkeit zu übernachten. Dies ist die nächste Herausforderung der wir uns täglich stellen müssen. Wild zu Campen ist überall in Australien verboten. In anderen Gebieten gibt es eine grosse Auswahl an Campingplätzen doch im Westen sind gerade die „Free Camping Areas“ nur schwer zu finden oder meistens weit entfernt um noch vor der Abenddämmerung dorthin zu gelangen. Es kam somit oftmals vor, dass wir entweder unser „Camp“ im Dunkeln aufbauen mussten oder nicht selten in einer Parkbucht im Auto übernachteten. Wenn man vorwärts kommen möchte nimmt man das gern in Kauf (ich bin da eh schmerzlos), selbst wenn man die ganze Nacht lang die vorbei dröhnenden Road Trains ertragen muss. Die Restareas sind meistens recht nahe an der Strasse und die Giganten der Strasse hört man erschreckend laut. Man bekommt schon Gänsehaut, wenn man irgendwo im nirgendwo die Augen zu macht, vom kilometerweiten dunklen Nichts umgeben, eine unglaubliche Stille in der Wüste und plötzlich hört man von weit, weit weg ein Geräusch immer näher kommen… näher und näher bis es Ohrenbetäubend laut an einem vorbei rauscht!

Next Stop: Shark Bay! Die Halbinsel zählt als geschütztes Gebiet und grösstenteils zum UNESCO-Welterbe – berechtigt! Die Tierwelt und Landschaften sind traumhaft! Wenn auch MILLIONEN (was sehr wohl untertrieben ist) von Fliegen einem den letzten Nerv rauben… !! Geduld war noch nie meine Stärke aber ich bin mir sicher, dass niemand hier cool bleibt. Ich hab ja schon viele, von Fliegen verseuchte Strände in Australien erlebt aber am Shell Beach hält es selbst die gelassenste Seele nicht aus! Zum Glück folgen die Bastarde aus irgendeinem Grund nicht gerne ins Wasser!
Wie der Name schon verrät, besteht dieser Strand aus nur Muscheln und das Wasser ist unglaublich klar! Wir können hier schon unseren ersten Hai sichten (ein ganz kleiner ;o).
Im Francois Peron National Park übernachten wir an der Big Lagoon. Der Weg hierher ein Traum! Roter Wüstensand! Endlich kann ich meinen Charlie mal wieder im 4×4 Modus ausfahren – I love it!
Um nicht stecken zu bleiben müssen wir den Reifendruck verringern und später wieder erhöhen. Für einen richtigen Australier nichts Aussergewöhnliches ;o)
Die nächste Nacht bleiben wir im bekannten „Monkey Mia“. Teurer Spass! Der Campingplatz ist der einzige in der Umgebung der Strand hier einer der Hauptattraktionen von ganz Westaustralien. Die Tierwelt ist dementsprechend einzigartig. An nur einem Tag sahen wir einen riesigen Adler, Haie, Delphine, Schildkörten, Stachelrochen, Emus, Pelikane tropische Fische und und und…
Was Monkey Mia so bekannt und aussergewöhnlich macht ist, dass die Delphine hier bis zu ein paar cm nahe an den Strand kommen und selbst die Menschen nicht scheuen. Schon am Mittag waren wir umzingelt von 5 Delphinen, gefolgt von einer Horde Pelikane.
In dieser Nacht hatten wir Vollmond und waren erstaunender Weise die einzigen am Strand. Delphine, Rochen und Haie kamen bis ganz nah ans Ufer um sich im Sand zu wälzen – was für ein traumhaftes Schauspiel!

Ja ich weiss, ich bin ein Glückskind :o)
Jeden Morgen werden die Delphine an einem abgesperrten Bereich gefüttert und ein paar auserwählte Urlauber dürfen bei der Fütterung helfen. Ich schwör, ich hab niemanden bestochen und auch nicht laut „hier“ gerufen. Die nette Dame hat einfach auf mich gezeigt und ich durfte die Delphine hautnah erleben! Sensation!! :o)

Weiter Nördlich kommen wir an das weltbekannte Nigaloo Reef. Am Türkis-blauen Coral Bay erleben wir die Unterwasserwelt mit einem Glasboat und schnorcheln mit Haien und bunten Fischen. Dies war unsere letzte Station an der Westküste und fahren anschliessend durch das Landesinnere in Richtung Nordküste. Wieder ändert sich die Umgebung sichtbar und auch die Infrastruktur. Gigantische Minenanlagen erscheinen wie aus dem Boden gestampft überall neben dem Great Northern Highway. Nachts erscheinen die grell beleuchteten Raffinerien wie Städte mit riesigen, rauchenden Schornsteinen.
Nachts – ja man sollte nachts hier eigentlich nicht fahren, ich weiss. Der Weg ist weit und man möchte schnellstmöglich weiter kommen. Am Tag zu fahren macht keinen Spass und es ist brutal heiss, somit ist man schon dazu geneigt nach der Abenddämmerung viele Kilometer hinter sich zu lassen. Aber: Wer im Dunkeln fährt muss gewaltig aufpassen!!
Nicht nur die riesigen Roadtrains, die mit bis zu 6 Anhängern!!!! an einem vorbei rauschen und keine Rücksicht nehmen. Wenn man langsam fahren möchte um sicher zu sein überholen diese Giganten ohne pardon! Da wird einem schon mal anders!
Aber nicht nur das. In der Dämmerung fängt die Wüste an sich zu bewegen. Kängurus, Wallabys, Schafe und vor allem Kühe. Ganz besonders im Nordwesten ziehen die Rinder der Cattle Farms nicht eingezäunt von Gebiet zu Gebiet. Was am Tage ein schöner Anblick ist wird schnell zur Gefahr in der Nacht. Gerade auf dieser Strasse und nur wenige Kilometer entfernt von der Stelle an der ein guter Freund von mir ein halbes Jahr vorher verunglückte, rennen mir Rinder vor das Auto. Glücklicherweise konnte ich noch kurz vorher stoppen. Ein Wimpernschlag später…
Für mich eine Lektion – die Kuh blieb unbeeindruckt (fast schon empört). Der Strassenrand spricht Bände; überall liegen die Kadaver von toten Kühen. Road Trains stoppen für nichts und niemanden.

Port Headland, ebenfalls eine Minenstadt und letzte Station vor Broome, ist die Brutstätte von unzähligen Schildkröten. Bei unserem Lunch-Stop hatten wir nicht damit gerechnet die riesigen Tiere überall an der Küste zu sichten. Taucht eine ab, kommt die nächste schon an die Oberfläche – einfach cool :o)

Here we are! Broome!
Wow, wieder habe ich mir eine grosse Stadt vorgestellt und muss schmunzeln als wir den Ort erreichen. Ganz nett aber nichts Besonderes. Bekannt ist Broome für seinen kilometerlangen wunderschönen Strand „cable beach“ an dem Touristen mit Kamelen reiten können.
Wir verbringen 3 Tage hier, 1 Tag am Strand, einen Tag im Regen und am 3. Tag wurde der Beach gesperrt da ein Hai gesichtet wurde. Stolz erzählt uns der Lifeguard dass sie einen 4.5m grossen weissen Hai gesehen haben. Entweder es war noch ein zweiter Hai zum selben Zeitpunkt am Ufer oder (und ich vermute mal oder) der australische Hang zur Übertreibung hat den Hai etwas wachsen lassenk. Okay, selbst mit 3m würde ich dem Hai nicht gerne im Wasser begegnen…

Der Weg zurück führt uns durchs Landesinnere uns am Karijini National Park vorbei. Doch bevor wir diesen erreichen passiert folgendes:
Wir hatten uns eine geeignete Campingarea rausgesucht, welche wir an dem Vortag noch erreichen wollten. Wie so oft war die Stecke doch länger als gedacht und (ich weiss man sollte nicht) wir fuhren im Dunkeln bis vor uns eine riesige Schlange an Road Trains auftaucht. Alle mit Warnblinkern und kein Ende in Sicht. Wir hielten hinter dem Letzen Truck an und schon bald war auch hinter uns eine endlose Anreihung der Giganten. Mein Charlie wirkte inmitten der Monster wie ein kleiner Renault Twingo ;o)
Ein paar Truckdriver (3 Gestalten aus dem australischen Bilderbuch: 2m hoch, lange verfilzte Haare, Dreitagebart, sonnengebräunte Lederhaut, Stahlkappenboots „gefühlte“ Schuhgrösse 55 und im typischen Reflektoren Arbeitsanzug) erzählten uns, dass ein Truck einen Anhänger verloren hat und die gesamte Ladung auf der Strasse verteilt liegt. Ein Gross-Einsatzkommando ist im Anmarsch um die Sache aufzuräumen; es könnte sich um Stunden handeln bis die Fahr in Richtung Süden weitergehen kann. Unseren anvisierten Campingplatz können wir somit für heute vergessen. Trotzdem war es eine ganz besondere Erfahrung für uns in einer klaren Sternennacht inmitten der blinkenden Trucks uns mit den Herren zu unterhalten, die gerne einen Schwung aus Ihrem Truckdriver-Leben erzählten.
Ich hatte nicht gewusst, dass ein Schichtplan bei 17 Stunden pausenloser Fahrt pro Tag, 3 Wochen lang am Stück liegt. Danach nur ein paar Tage frei und das ganze mindestens 8 Wochen lang! Der Rekord an überfahrenen Rinder in einer Nacht und einer Strasse liegt übrigens bei 60 Kühen ;o)
Wir nehmen den Rat an und fahren an den nächsten Rastplatz um hier zu übernachten – nur ein paar Meter entfernt. Leider stellt sich dies als falsche Entscheidung heraus. Nicht nur die bis hierhin reichende Schlange an Trucks (die Motoren werden grundsätzlich nicht ausgestellt) lässt uns nicht schlafen. Nachdem wir 15 Minuten unsere Augen geschossen haben, rollt auch schon der Abschleppdienst an, der natürlich den verunglückten Truck genau an unsere Raststelle abschleppt und versucht zu reparieren. Es ist mittlerweile Mitternacht und von Schaf keine Rede. Um uns herum Taghelle Scheinwerfer und Motorengebrumme. Sich aufzuregen ist zwecklos und eigentlich haben wir ja Zeit. Also begutachten wir die Arbeit des Mechanikers und geniessen dazu ein/zwei Bierchen. Der Fahrer des Trucks, welcher den Anhänger verlor, erklärte uns den Unfall mit einem stolzen Grinzen und „Yeh, that was mine! Shit happens…“.

Karijini National Park:
Nach wenig Schlaf, viel Strand an den vergangenen Tagen und ewiglanger Autofahrt war ich ganz froh um eine schöne lange Wanderung durch die wunderschöne Felslandschaft und zu traumhaften Wasserfällen. So schön die Küste auch ist, musste ich feststellen dass mir „Berge“ und ewig langen Landschaften doch besser gefallen. Ich bin halt ein Mädel vom Schwarzwald ;o)
Nach erholsamen Baden in den Pools des National Park sitze ich nichtsahnend auf einen Stein, sonne mich und checke die Route für die letzte Etappe unserer Reise… bis ich im Augenwinkel etwas neben mir an meinem Rucksack (direkt an meinem Bein) bewegen sehe. Als mir bewusst wird dass sich gerade eine Schlage den Weg auf meinen Stein sucht, war mich noch nicht klar dass es sich um eine der 10 giftigsten Schlagen Australiens handelt – die western brown snake.
Erst die Recherchen in Google macht mir klar, dass das eine ziemlich heikle Angelegenheit war. Ich denke zwar nicht dass eine Schlange mich grundlos beissen würde (als Beute wäre ich zu gross und nicht schmackhaft), es hätte dennoch sein können dass ich sie aus Versehen reize. Hätte ich z.B. in meinen Rucksack gegriffen, hätte dies evtl ein Angriff gewesen sein können… ich bin mir nicht mal sicher ob sie nicht sogar in meinen Rucksack war… weiter will ich auch gar nicht denken – meine Lehre daraus: Rucksäcke, Taschen etc. immer geschlossen halten!!

Der Rest des Rückwegs ist eher unspektakulär. Eine endlose geradeaus Fahrt.
Nach 12 Tagen „Urlaub“ erreichen wir wieder Perth und den Alltag.
Seitdem ich in Western Australia bin, habe ich bereits in 4 verschiedenen Jobs gearbeitet, leider immer nur temporär und stundenweise. Perth ist bekannt für schwierige Arbeitsgegebenheiten und somit bin ich ständig auf der Suche nach neuen Tätigkeiten. Einerseits macht es das Ganze spannend und vielfältig, auf der anderen Seite ist das Leben hier auch sehr teuer. Hätte ich meine ersparten Rücklagen nicht, würde es mir hier schnell knapp werden.
Mal schauen wie es die nächsten Wochen hier weitergeht. Zum Glück habe ich die Freiheit meinen Lebensstil und Location zu ändern wann immer ich möchte.

 

Habt ihr schon mal von diesen Orten gehört? Und das sind nur Dörfer die wir auf diesem Trip gesichtet haben:
Balla Balla, Mooloogool, Capricorn, Pippingarra, Mundabullangana, Cooya Pooya, Boologroro…. Und viels mehr… ;o)